Design-Build im Laborbau: Planung und Ausführung besser verbinden
Die Planung und Realisierung moderner Labore wird immer anspruchsvoller. Neben Sicherheit, Funktionalität und regulatorischen Anforderungen spielen heute auch Kosten, Termine, Flexibilität und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Gleichzeitig müssen zahlreiche Fachdisziplinen und Schnittstellen aufeinander abgestimmt werden. Genau hier setzt Design-Build an. Der Ansatz verbindet Planung und Ausführung früher und enger miteinander. Statt eine Lösung zuerst vollständig zu planen, auszuschreiben und erst danach die ausführenden Unternehmen einzubinden, wird das Know-how aus Planung und Umsetzung bereits während der Entwicklung des Projekts zusammengeführt. Gerade im Laborbau kann diese Form der integrierten Projektabwicklung interessante Vorteile bieten.
Was bedeutet Design-Build im Laborbau?
Beim klassischen Projektablauf werden Planung und Ausführung weitgehend nacheinander organisiert. Architekten und Laborfachplaner entwickeln zunächst eine Lösung, erstellen die Ausschreibungsunterlagen und holen anschließend Angebote von ausführenden Unternehmen ein. Beim Design-Build-Ansatz arbeiten Planung und Ausführung wesentlich früher zusammen. Damit können bereits während der Laborplanung Erfahrungen aus Produktion, Montage, Logistik und technischer Umsetzung berücksichtigt werden. Im Laborbau betrifft dies beispielsweise:
Laborlayout und Raumkonzept
Labormöbel und Laborabzüge
Medien- und Energieversorgung
Lüftung und Gebäudetechnik
Sicherheitsanforderungen
Produktions- und Montagekonzepte
Kosten- und Terminplanung
Das Ziel ist eine Gesamtlösung, die nicht nur planerisch überzeugt, sondern auch wirtschaftlich und technisch sinnvoll umgesetzt werden kann.
Planung für die Umsetzung statt Planung für die Ausschreibung
Eine klassische Ausschreibung bietet viele Vorteile. Leistungen werden detailliert beschrieben und unterschiedliche Anbieter können auf einer vergleichbaren Grundlage kalkulieren. Gleichzeitig entsteht jedoch eine klare Trennung zwischen Planung und Umsetzung. Das Wissen derjenigen, die später produzieren und montieren, fliesst häufig erst dann in das Projekt ein, wenn ein grosser Teil der Lösung bereits definiert ist. Genau hier liegt eine der zentralen Ideen einer integrierten Projektabwicklung. Nicht nur die Frage:
«Wie können wir diese Lösung möglichst günstig beschaffen?»
soll im Mittelpunkt stehen, sondern auch: «Wie können wir gemeinsam eine möglichst gute und wirtschaftliche Lösung entwickeln?» Gerade bei komplexen Laborprojekten kann dieser Perspektivwechsel entscheidend sein.

Chancen einer integrierten Projektabwicklung
Weniger Schnittstellen
Ein modernes Labor besteht aus zahlreichen voneinander abhängigen Systemen. Laboreinrichtung, Lüftung, Elektro, Medienversorgung, Gebäudetechnik und Sicherheitsanforderungen müssen exakt zusammenspielen. Werden ausführende Partner früh in die Planung eingebunden, können technische Schnittstellen früher erkannt und gemeinsam gelöst werden. Das reduziert das Risiko späterer Anpassungen, Verzögerungen und Nacharbeiten.
Klarere Verantwortlichkeiten
Probleme entstehen in Bauprojekten häufig dort, wo Leistungen verschiedener Beteiligter aufeinandertreffen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Planung und Ausführung kann Verantwortlichkeiten klarer machen und Entscheidungswege verkürzen. Der Fokus liegt damit stärker auf der gemeinsamen Lösung eines Problems und weniger auf der Frage, welcher Projektbeteiligte dafür verantwortlich ist.
Kosten früher beeinflussen
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der frühzeitigen Betrachtung der Kosten.
Bei einem klassischen Ablauf zeigt sich oftmals erst nach der Ausschreibung, ob die entwickelte Lösung tatsächlich innerhalb des vorgesehenen Budgets liegt.
Werden Kosten bereits während der Planung berücksichtigt, können Varianten früh miteinander verglichen und optimiert werden.
Damit lässt sich der Ansatz sehr gut mit Design-to-Cost verbinden.
Typische Fragen sind beispielsweise:
Welche Lösung erfüllt die Anforderungen mit weniger Komplexität?
Wo können Standardsysteme eingesetzt werden?
Welche Schnittstellen lassen sich reduzieren?
Welche Variante lässt sich einfacher produzieren und montieren?
Welche Investition bietet langfristig den grössten Nutzen?
Wirtschaftlichkeit wird damit bereits Teil der Lösungsentwicklung.
Bedeutet weniger Preiskonkurrenz automatisch höhere Kosten?
Eine der grössten Vorbehalte gegenüber alternativen Projektmodellen betrifft die Kosten. Die klassische Ausschreibung schafft Wettbewerb. Mehrere Anbieter kalkulieren dieselbe oder eine sehr ähnliche Leistung und konkurrieren unter anderem über den Preis. Die Sorge ist deshalb nachvollziehbar: Bezahlt ein Bauherr mehr, wenn diese Form des Preiswettbewerbs reduziert wird? Dabei sollte jedoch zwischen dem Preis einer Leistung und den Kosten der gewählten Gesamtlösung unterschieden werden. Eine technisch komplizierte oder überdimensionierte Lösung bleibt teuer, auch wenn mehrere Anbieter darum konkurrieren, sie einige Prozent günstiger anzubieten.
Oder anders gesagt: Nur weil eine Ausschreibung die Preise der Anbieter drückt, bedeutet das noch lange nicht, dass die ausgeschriebene Lösung selbst günstig ist.
Eine frühzeitige Zusammenarbeit ermöglicht dagegen, bereits die Lösung selbst hinsichtlich Kosten, Machbarkeit und Nutzen zu optimieren.
Mehr Raum für Innovation
Für uns ist dies ein besonders wichtiger Punkt. Hersteller und ausführende Unternehmen entwickeln kontinuierlich neue Produkte, Systeme und technische Lösungen. In einer detailliert vorgegebenen Ausschreibung ist der Lösungsweg jedoch häufig bereits weitgehend definiert. Alternative Ideen können dann nur noch eingeschränkt eingebracht werden. Eine frühere Zusammenarbeit schafft dagegen Raum, unterschiedliche Lösungsansätze miteinander zu vergleichen.
Gerade bei neuen Laboren können dadurch Fragen diskutiert werden wie:
Wie flexibel muss die Einrichtung zukünftig sein?
Welche Infrastruktur sollte später einfach angepasst werden können?
Wie lassen sich zukünftige Umbauten vereinfachen?
Welche Lösungen reduzieren Energie- oder Betriebskosten?
Wie können neue Arbeitsweisen berücksichtigt werden?
Innovation entsteht häufig dort, wo unterschiedliche Kompetenzen früh zusammenkommen.
Design-Build bedeutet nicht, auf gute Planung zu verzichten
Eine integrierte Projektabwicklung ist kein Ersatz für qualifizierte Architekten oder Fachplaner. Im Gegenteil. Komplexe Laborprojekte benötigen eine fundierte Planung und klare Anforderungen. Der Unterschied liegt vor allem darin, wann welches Wissen in das Projekt einfliesst. Architekten und Fachplaner bringen ihre Kompetenzen in Gestaltung, Koordination und Fachplanung ein. Hersteller und ausführende Unternehmen ergänzen dieses Wissen mit Erfahrungen aus Produktion, Montage, Produkten, Kosten und praktischer Umsetzung. Wenn diese Kompetenzen früh zusammenarbeiten, können Entscheidungen auf einer breiteren Grundlage getroffen werden.
Herausforderungen und Grenzen
Auch dieses Projektmodell ist kein Selbstläufer.
Vertrauen und Transparenz
Eine engere Zusammenarbeit setzt ein hohes Mass an Transparenz voraus. Kosten, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten müssen für den Bauherrn nachvollziehbar bleiben.
Klare Projektziele
Die wichtigsten Anforderungen an Nutzung, Funktion, Qualität, Kosten und Termine müssen früh definiert werden. Je klarer das gemeinsame Ziel ist, desto besser können unterschiedliche Lösungsvarianten entwickelt werden.
Neue Rollen und Zusammenarbeit
Viele Bauprojekte folgen etablierten Abläufen und klar getrennten Rollen.
Eine integrierte Projektabwicklung verlangt mehr Austausch zwischen Bauherr, Planern und ausführenden Unternehmen. Das erfordert Offenheit und die Bereitschaft, Wissen und Verantwortung früher zu teilen.
Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Umsetzung
Aus unserer Sicht sind insbesondere folgende Faktoren entscheidend:
Klare funktionale Anforderungen und Projektziele
Frühzeitige Einbindung der relevanten Projektpartner
Transparente Kostenstrukturen
Klare Verantwortlichkeiten
Regelmässige gemeinsame Planungs- und Entscheidungsrunden
Offenheit für alternative technische Lösungen
Kontinuierliche Kostenkontrolle während der Planung
Fokus auf die Gesamtwirtschaftlichkeit des Projekts
Ausblick: Neue Wege in der Laborplanung
Die Schweizer Bauindustrie verfügt über etablierte und bewährte Prozesse für Planung, Ausschreibung und Ausführung. Diese Prozesse haben ihre Berechtigung.
Gleichzeitig lohnt es sich, bei komplexen Projekten zu prüfen, ob eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Planung und Umsetzung zusätzliche Vorteile schaffen kann. Gerade im Laborbau sehen wir grosses Potenzial. Wenn Nutzer, Planer und ausführende Unternehmen früher zusammenarbeiten, können technische Schnittstellen reduziert, Kosten früher beeinflusst und neue Lösungsansätze besser berücksichtigt werden. Damit entsteht nicht einfach eine andere Form der Beschaffung. Es entsteht eine andere Art der Zusammenarbeit.
Fazit
Design-Build verbindet Planung und Ausführung stärker miteinander und bringt das Know-how der späteren Umsetzung früher in die Laborplanung ein. Der Ansatz bedeutet nicht, auf Planung oder Wettbewerb zu verzichten. Vielmehr geht es darum, neben dem Preis einzelner Leistungen auch die Qualität und Wirtschaftlichkeit der gesamten Lösung in den Mittelpunkt zu stellen. Denn der tiefste Angebotspreis ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Wirtschaftlichkeit entsteht bereits bei der Planung. Durch weniger Schnittstellen, klare Verantwortlichkeiten, frühzeitige Kostenkontrolle und eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten können Laborprojekte einfacher, transparenter und innovativer entwickelt werden. Am Ende sollte nicht die beste Ausschreibung entstehen. Sondern das bestmögliche Labor.
Weitere Infos zu Desing Build unter: Home - Design Build Switzerland




Kommentare